...der Anblick eines SWHs ist für mich wie das Schnurren einer Katze....
Im Internet gibt es sehr, sehr viele Rassebeschreibungen über den Saarlooswolfhond, die allgemein gehalten sind und die Rasse an sich beschreiben sollen. Ich möchte hier stattdessen über meine eigenen Erfahrungen mit dem Saarlooswolfhond berichten, insbesondere über das Zusammenleben mit Nisha aber auch über die SWHs, die ich sonst noch kennenlernen durfte. Und darüber habe ich mir mein eigenes Bild von der Rasse gemacht.
Ich werde oft gefragt: Ist ein SWH ein normaler Hund oder ist er anders? Hmmm....ich muß immer noch überlegen, was ich darauf antworte. Einerseits ist er irgendwie "anders", andererseits aber auch wiederum "ganz normal". Aber eines steht fest: Der SWH ist – zumindest für mich – etwas ganz Besonderes und Einzigartiges!
Zum ersten Mal sah ich den SWH auf einer Hundeausstellung in Offenburg. Ich dachte, ich träume – so eine Rasse kann es doch nicht geben! Ich war absolut fasziniert von den Hunden, von ihrer Ausstrahlung, dem Aussehen und der Ruhe, die sie ausströmten….diese Augen! Sie hatten eine ganz besondere Aura. Den ganzen Tag schaute ich immer und immer wieder bei den Hunden vorbei und stellte den Besitzern 1000 Fragen. Natürlich machte ich auch gleich einen Termin für einen Besuch aus.
Ich informierte mich dann auch über das Internet, lernte noch mehr SWH-Besitzer kennen und versuchte, einfach alles über diese Rasse herauszufinden.
Wir sind 1000e von km gefahren um diese Hunde zu sehen, sind auf Treffen, auf Ausstellungen gefahren….aber dennoch hatte ich Bedenken, mir wirklich solch einen Hund anzuschaffen, weil es Personen gab, die sagten, diese Rasse wäre viel zu scheu für das Alltagsleben. Ich hatte Angst, daß ich dem Hund nicht gewachsen bin und er im Alltag nicht bestehen kann. Ich beschäftigte mich dann aufgrund dessen auch mit dem Tschechoslowakischen Wolfhund und machte hier aber leider sehr schlechte Erfahrungen, so daß ich wieder Abstand von dieser Rasse nahm. Letztendlich gingen um die 5 Jahre in’s Land, ehe wir uns dann tatsächlich dafür entschieden haben, daß ein SWH bei uns einziehen wird. Ausschlaggebend war einfach, daß wir immer wieder auf Treffen gefahren sind und ich den einen oder anderen SWH näher kennenlernen durfte und ich immer faszinierter von diesen Hunden war, sie ließen mich einfach nicht los…..
Nisha ist von der besten Züchterin, die ich mir vorstellen kann – ich hätte es einfach nicht besser erwischen können! Nisha hatte beste Voraussetzungen für den Start in’s Leben und wurde bestens sozialisiert. Sie wuchs in einem Rudel von 4 SWHs und einem Mops auf. Tilla, Nisha’s Mutter, ist eine absolut liebe und verschmuste Hündin, absolut souverän und eine tolle Mutter. Weiterhin waren Nisha’s Halbschwester Tikaani, aus Tilla’s erstem Wurf, und die Nachwuchshündin Tiffy mit von der Partie. Clyde, der einzige Rüde im Rudel, war die Ruhe in Person und eine absolute Schmusebacke. Und dann war da noch Bonnie, die kleine Mopshündin, die immer ihr kleines Hundesofa mit den Welpen teilen mußte.
Wir sind alle 2 Wochen zu der Züchterin gefahren um die Welpen zu sehen – im Alter von 2, 4, 6 und schließlich 8 Wochen, obwohl es 600 km ein Weg zu fahren waren.
Erstaunt war ich, wie Yuma, unsere Schäferhündin, in das Rudel der Züchterin aufgenommen wurde. Als die Welpen 6 Wochen alt waren, nahmen wir Yuma mit gemischten Gefühlen das erste Mal mit, da die Züchterin meinte, es geht gut und wir sollen sie mitbringen. Nun kam Yuma, eine gut 3jährige Hündin, in ein bestehendes Rudel auf dem eigenen Grundstück, und das Rudel bestand aus 4 Hündinnen und einem kastrierten Rüden, wobei die Alphahündin gerade 4 Welpen hatte...
Was soll ich sagen? Es war sagenhaft!! Nachdem Tilla klargestellt hat, wer der Boß hier ist (indem sie Yuma lediglich zur Seite drängte, sich ihr sozusagen in den Weg stellte und Yuma brav auswich) war alles kein Problem! Selbst weitere Besuchshunde waren kein Problem und sie durften mit den Welpen zusammen laufen. Einmal waren 9 erwachsene Hunde und 4 Welpen im Flur und der Küche der Züchterin....ein Haufen Hunde, und NIX passierte!! Das wurde natürlich auch positiv im Wurfabnahmebericht aufgenommen!
Mit 8 Wochen durften wir Nisha dann endlich nach Hause mitnehmen. Unter Tränen drückte mir die Züchterin Nisha in die Arme und verabschiedete uns. Es war ein sehr bewegender und aufregender Moment. Bei der Heimfahrt hat Nisha zunächst fürchterlich geschrien, ich konnte sie kaum beruhigen. Dann kotzte sie mir ein paar Mal auf den Schoß um dann erschöpft einzuschlafen.
Zu Hause angekommen war die neue Umgebung so interessant, daß der Trennungsschmerz schnell verflogen war. Sie inspizierte gleich unseren Garten und das Haus. Sie zeigte keinerlei Scheuhheit, war sehr neugierig und wollte erstmal alles erforschen.
Und so blieb das auch! Nisha war absolut frei, sie war sehr offen gegenüber jedermann. Sie hatte keinerlei Probleme mit fremden Menschen, im Gegenteil. Sie konnte sich sehr gut einschleimen, lehnte sich gegen die Leute und ließ sich kraulen. Das gefiel den Leuten und Nisha wusste das offensichtlich. Sie begrüßt jeden, den sie sah und freute sich über jeden Besuch. Sie hat sogar durch ihre ruhige Art schon Leute dazu gebracht sie zu streicheln, die normalerweise Angst vor Hunden haben.
Nisha war also, entgegen aller Erzählungen, nicht die Spur scheu sondern genau das Gegenteil! Ganz klasse fand sie es, wenn wir mit ihr weggefahren sind und sie in eine fremde Wohnung durfte. Sie hat dann alles mit hocherhobenem Schwanz genau untersucht. Sie führte sich auf, als wäre sie daheim, auch wenn sie noch nie dort war.
Wir sind mit Nisha beinahe jeden Tag irgendwohin gefahren, nur, damit sie die Welt kennenlernt. Wir haben sie überall mitgeschleppt, haben viele Hunde getroffen, viele Menschen, viele fremde Orte erkundet. Durch Yuma hat Nisha natürlich auch sehr viel Sicherheit gewonnen - ein SWH als Zweithund zu einem Hund, der selbstbewußt und gut erzogen ist, ist ideal!! Sie schauen sich sehr viel ab und gewinnen sehr viel an Sicherheit durch den Althund.
Durch gute Sozialisierung in den entscheidenden Phasen kann man die Entwicklung eines SWH positiv beeinflussen. Einige SWH-Besitzer sind der Meinung, ein SWH gehöre nicht in die Stadt, mit einem SWH kann man nichts machen, und jaaa nie etwas härter anfassen, denn sie sind ja soooo sensibel....weit gefehlt!! Ein SWH muß gefordert werden....tut man dies, bekommt man einen tollen Begleiter.
In der Welpenschule hat sich Nisha super gemacht, wir gehörten immer zu den Besten und waren immer einen Schritt voraus. Der Trainer war sehr begeistert von Nisha. Sie hatte einfach Spaß an den Übungen, ich konnte sie jederzeit sogar aus dem Spiel heraus abrufen und sie meisterte alle Aufgaben mit Leichtigkeit. Allerdings muß ich dazu sagen, daß Nisha sehr bestechlich war – mit Leckerlie! Und das nutzte ich schamlos aus….
Dies funktioniert leider nicht bei allen SWHs so gut, ich hatte da mit Nisha viel Glück und die Hundeschule machte uns beiden sehr viel Spaß und wir haben sehr viel gelernt.











Nur eines war jedes Mal eine Tortur: Die Autofahrt in die Hundeschule. Die Fahrt dauerte etwa eine ¾ Stunde und Nisha war einfach eine absolut schlechte Autofahrerin. Leider ist dies ein allgemeines Problem, unter dem sehr viele SWHs und ihre Besitzer leiden. Nisha hat regelmäßig in’s Auto gekotzt, sie hat sogar das eine oder andere Mal reingekackt und sie hat jedes Mal gesabbert wir verrückt. Am Ziel angekommen, war Nisha patschnaß und Yuma obendrein auch, weil Nisha sie vollgesabbert hat. Es war wirklich sehr schlimm und ich war einfach machtlos und frustriert.

Doch es gab Rettung! Aus dem Dilemma halfen uns letztendlich bestimmte Reisetabletten aus Holland. Viele SWH-Besitzer verabreichen diese Tabletten mit großem Erfolg ihren Hunden – also dachte ich, das versuchen wir auch, denn ich wusste wirklich keine andere Lösung mehr. Und diese Tabletten wirkten bei Nisha wahre Wunder! Erstmals kam sie trocken am Reiseziel an. Wir konnten die Tabletten nach und nach ausschleichen und heute fährt Nisha ohne Probleme Auto. Es ist zwar nicht ihr Hobby, aber sie hat auch keine Probleme mehr damit, das Sabbern hat endgültig aufgehört.
Am meisten Schwierigkeiten bereitete aber die Stubenreinheit. Nisha wollte und wollte einfach nicht stubenrein werden....es war ein scheinbar endloser Kampf, der andauerte, bis sie etwa 6-7 Monate alt war. Ich hatte oft den Eindruck, daß sie das einfach für nicht so wichtig empfand, sie machte einfach rein und egal, wie wir schimpften, es hatte keine Auswirkung auf sie. Yuma war da ganz anders - sie war mit 9 Wochen zuverlässig stubenrein und fand es sogar schrecklich, wenn Nisha reingepinkelt hat.
Die Stubenreinheit ist bei vielen SWHs ein Problem, viele brauchen sehr lange dafür, gar bis zu 8 Monaten oder länger. Nisha hat uns sogar mehrmals auf's Bett gepinkelt und einmal sogar draufgekackt! Sie hat auch ohne weiteres in ihren Laufstall, in dem sie die Nacht verbrachte, reingemacht. Das hat mich viele Nerven gekostet....sie hat es fertiggebracht, 5 Mal in einer Stunde reinzumachen!! Es tat immer gut zu hören, daß es anderen genauso erging.
Nisha hielt uns die ersten 8 Wochen nach ihrem Einzug mehrmals die Nacht auf Trab, sie wollte einfach nicht durchschlafen. Wir waren wie gerädert.
Doch eines Tages passierte es fast von einem Tag auf den anderen und sie wurde plötzlich stubenrein. So als hätte sie selber den Zeitpunkt bestimmt und für sich entschieden, wann die Zeit reif ist, nicht mehr in’s Haus zu machen.
Da wir beide berufstätig sind, müssen die Hunde täglich ein paar Stunden alleine sein. Yuma, die es ja auch von klein auf gewohnt war, hat damit kein Problem und leistete somit Nisha gute Gesellschaft. Doch Nisha war es oftmals wohl etwas langweilig, so daß sie doch einige Dinge zerstört hat…..ein 50er Jahre Schuhschrank verlor ein paar Klappen, die Wände (Fermacell) wurden angenagt, die Treppenstufen (Gott sei Dank hatten wir noch die Bautreppe) wurden angenagt, die Haustüre hat gelitten und noch ein paar andere „Kleinigkeiten“....
Der demolierte 50er Jahre Schuhschrank - er hatte mal 5 bunte Klappen:


Der 50er Jahre dreieckige schwarze Glastisch hatte ein weißes Vlies zwischen Glasplatte und Tischplatte - ich habe keine Ahnung, wie Nisha es geschafft hat, dieses Vlies herauszuziehen, ohne daß die Glasplatte zu Bruch ging. Sie lag immer noch auf dem Tisch - einzig eine alte Porzellanschale ging dabei zu Bruch, den geflochtenen Henkel der Schale hat sie zerkaut:

Im Hausflur hat Nisha die Wände angenagt, die Haustüre habe ich nach dem ersten "Angriff" mit Klarsichtfolie zugeklebt und Chili und Tabasco draufgeschmiert (hat tatsächlich geholfen). Die angenagten Treppenstufen waren wie erwähnt noch von unserer Bautreppe, daher war wenigstens hier der Schaden gleich geschätzt - sie hat so ziemlich alle Treppenstufen bearbeitet:



Und die beste Aktion war das mit den gelben Säcken....eines Tages haben die Hundis es irgendwie geschafft, die Haustüre aufzukriegen. Ich vermute mal, daß Frauchen oder Herrchen die Türe nicht richtig geschlossen hat. Da zwischen Garage und Haus eine Windfang ist, dessen Türen ein Hund unmöglich aufkriegen kann, da sie sich selber zuziehen, konnten die Hunde nicht spazierengehen. Allerdings hat sich Nisha dann wohl anders beschäftigt - sie hat in der Garage gelbe Säcke gefunden...6 an der Zahl und das Ergebnis, als ich nach Hause kam, war dieses:
Geheult hat sie aber nie, wenn sie alleine war – na ja, sie war ja nicht alleine, sie hatte ja Yuma. Nur die Langeweile ließ sie allerlei Dinge „ausprobieren“.
Ihre Zerstörungswut war im ersten Lebensjahr am schlimmsten, dann wurde es immer weniger. Im zweiten Lebensjahr geschah nur noch sehr sporadisch mal etwas und seit dem dritten Lebensjahr kann man sagen, daß sie nur noch ein Engel ist. Es geht nichts mehr kaputt, obwohl sie Zugang zum Büro und Schlafzimmer hat.
Seit Kurzem haben Yuma und Nisha ihr neues Freigehege bezogen und es gefällt ihnen sehr gut. Dort haben sie frische Luft, Sonne, Schatten, sie können auf Gras, Holz, Kies und weichen Polstern liegen, gerade, wie es beliebt. Man kann schön buddeln und wenn es sein muß auch mal Pipi machen. Nisha geht sehr gerne morgens in’s Freigehege, wo ich sie dann erstmal füttere. Während ich dann noch mal rausgehe (die Tore stehen natürlich dann noch offen) um den Wassernapf frisch zu füllen, legt sich Nisha in die Gartenhütte auf die weichen, gemütlichen Polster. Wenn ich zurückkomme, um den Napf reinzustellen, schaut sie mich nur an und „sagt“, daß ich jetzt gehen kann, ihr geht es ja gut. Im Freigehege haben sie es natürlich schöner als im Haus.
Nisha erinnert mich immer sehr stark an eine Katze – sie war als Welpe sehr selbständig, hatte ihren eigenen Kopf, manchmal kam es mir vor, als lebe sie in ihrer „eigenen Welt“, in die sie so schnell niemanden reinläßt. Es dauerte etwa 2-3 Monate, bis ich das Gefühl hatte, daß Nisha eine Bindung zu uns aufbaut – diese Bindung ist heute sehr eng und es wird mit jedem Tag intensiver.
Der SWH braucht in manchen Dingen einfach länger. "Geduld und Spucke" ist der Lieblingssatz, wenn man verzweifelt um Rat fragt. Und ich kann nur sagen: Es stimmt. Kommt Zeit, kommt Rat, aber es kommt
Nisha bewegt sich auch wie eine Katze – mit einer enormen Leichtigkeit, Mühelosigkeit, leise, manchmal wie ein Geist….gerade war sie noch hier, plötzlich ist sie dort….springen kann sie wie eine Feder und man meint, es strengt sie nicht im geringsten an.
Und sie schmust wie eine Katze - man kann sie stundenlang kraulen und sie kriegt einfach nicht genug davon. Sie würde manchmal am liebsten in uns reinkriechen, das ist der Wahnsinn und superschön. Ich genieße das in vollen Zügen!




Nisha war bis zum Alter von 9 Monaten absolut frei und hatte keine Probleme mit fremden Menschen, Situationen, Umgebungen…Doch dann fand wieder das alljährliche SWH-Treffen in Nettetal statt. Wir kamen dort nachts um 23:00 Uhr an, im strömenden Regen. Das Treffen findet auf einem eingezäunten Gelände mit einem kleinen Weiher statt. Wir haben Yuma und Nisha aus dem Auto gelassen und sind auf das Gelände gegangen. Keine 10 Minuten später hat Nisha plötzlich geschrien wie am Spieß, kam angerannt und ich roch sofort, daß sie sich vollgepinkelt hat. Da war mir schnell klar, was passiert ist – sie hat einen deftigen Stromschlag bekommen von dem Pferdezaun, der an das Gelände angrenzte. Nisha war völlig durch den Wind, sie war ja naß und es hat vermutlich ordentlich gezündet.
Irgendwie scheint sie dieses Erlebnis auf den Platz bezogen zu haben und auf die Leute, die da waren. Sie war ab diesem Zeitpunkt wie umgedreht und ich hatte plötzlich einen eher scheuen Hund, der fremde Leute anbellte. Das hielt die ganzen drei Tage an, an denen wir auf dem Treffen waren….und es sollte noch viel länger anhalten.
Ich kannte bereits die Gerüchte von SWHs, die im Alter von 7-9 Monaten plötzlich scheu wurden und konnte mir das nie wirklich vorstellen. Doch nun erlebte ich es selbst an meinem eigenen Hund. Der Stromschlag war wahrscheinlich der Auslöser – aber vermutlich wäre es dennoch passiert, wenn es nicht der Stromschlag gewesen wäre, wäre es was anderes gewesen. Im Alter von 7-9 Monaten beginnt auch für junge Wölfe der Ernst des Lebens und sie gehen erstmals mit auf die Jagd – den jugendliche Leichtsinn und die Unbekümmertheit kann man da nicht mehr brauchen. Es geht nun um’s Überleben, man muß Vorsicht walten lassen und sieht die Dinge plötzlich mit anderen Augen, nicht mehr durch die kindliche rosarote Brille.
Ich schätze mal, daß dies ein Zusammenhang sein könnte zu den Verhaltensänderungen beim SWH in diesem Alter.
Nisha hatte also ab diesem Ereignis in Nettetal teilweise scheue Phasen, hatte Angst vor Dingen, die ihr zuvor nie Angst gemacht hat – sie hatte sogar Angst vor ihr längst bekannten Personen. Wir haben also eine Art zweite Sozialisierung begonnen und sind wieder verstärkt mit ihr in die Stadt gegangen, haben sie überall mitgeschleppt und viel geübt. Es war ein Auf und Ab – mal ging es besser, mal wieder schlechter. Manchmal wurde ich einfach nicht schlau aus ihr. Das Schlimmste, was man in solch einer Phase machen kann, ist den Hund zu bedauern. Ich habe versucht, ihr Verhalten einfach zu ignorieren und ihr Sicherheit zu geben, in dem ich ihr zeigte, daß es keinen Grund gibt, Angst zu haben. Es hat leider nicht immer funktioniert.
Diese Phase dauerte etwa ein halbes Jahr an, bis es plötzlich stetig besser wurde. Ich hatte auch manchmal den Eindruck, als würde auch ihr hormoneller Status eine Rolle spielen, also ob eine Läufigkeit anstand oder sie sich in der Phase inmitten zwei Läufigkeiten befand. In letzterer Phase ist sie immer sehr gut gelaunt wohingegen sie sich in der Phase der Läufigkeit eher vorsichtiger verhält.
Heute mit 3 Jahren hat Nisha ein stabiles Wesen. Sie ist reserviert gegenüber Fremden, aber nicht scheu. Sie würde nie knurren oder aggressiv reagieren, auch wenn sie mal bedrängt wird oder Angst hat – nicht mal beim Tierarzt. Lieber weicht sie zurück oder sucht Schutz bei mir. Manche Personen kommen sehr schnell an sie ran – bevorzugt Hundebesitzer. Männer tun sich etwas schwerer. Nisha möchte sehr gerne Kontakt aufnehmen, denn sie ist sehr neugierig. Wenn fremde Personen zu uns kommen, bellt sie manchmal und bleibt auf Abstand. Wichtig ist, daß die Personen Nisha ignorieren und ihr nicht in die Augen schauen – was den meisten Leuten sehr schwer fällt, weil sie fasziniert sind von Nisha’s Blick. Doch wenn sie ignoriert wird, fühlt sie sich schnell sicherer und beginnt selbständig, Kontakt aufzunehmen. Sie geht hin, schnüffelt, leckt die Hand….und wenn die Hand beginnt, sie zu streicheln, genießt sie es sehr schnell und das Eis ist gebrochen.
Es ist für mich immer wieder schön zu beobachten, wie sehr Nisha auf die Körpersprache der Menschen reagiert, vor allem auf die Blicke, die man ihr zuwirft – Menschen, die sich aus ihrer Sicht heraus korrekt verhalten, haben sehr schnell ihre Gunst gewonnen.
Eine Frage, die auch immer wieder auftaucht, ist die Frage nach dem Jagdtrieb. Natürlich ist der Jagdtrieb vorhanden und wenn man sie lassen würde, würde sie auch jagen gehen – wie viele andere Hunde auch. Aber ich habe das Glück und kann Nisha sehr gut kontrollieren. Yuma hat auch ihren Anteil daran und war Nisha eine gute Lehrmeisterin. Yuma spürt zwar das Wild oder die Katzen auf, aber sobald das Wild/die Katze wegrennt dreht Yuma um, rennt zu mir und will spielen. So hat Nisha keinen Jagdpartner – alleine diese Tatsache würde sie aber nicht von der Jagd abhalten. Es hat mich viel Mühe und eine Menge Leckerlies gekostet, aber es hat sich gelohnt – Nisha kann jederzeit ohne Leine laufen, auch im Wald und ich kann sie sogar zu 95% abrufen, wenn das Wild direkt vor Nisha’s Nase aufspringt. Diese Situation hatten wir schon sehr oft. Auch die Katzen in der Nachbarschaft können sich glücklich schätzen, denn Nisha bleibt wie angewurzelt an der Grundstücksgrenze stehen und beobachtet die Katze nur. Nisha bildet hier aber wohl eher eine Ausnahme bei den SWHs. Es macht das Zusammenleben mit ihr einfach sehr angenehm und Spaziergänge sind sehr stressfrei, obwohl wir in einer wildreichen Gegend wohnen und rundum Wälder sind.
Oben rechts im folgenden Bild ist im Feld eine Katze zu sehen:


Hier ist die Katze mit einem Pfeil markiert - Nisha wußte nicht, daß ich sie beobachte. Ich war im Haus, als ich zufällig sah, wie Nisha die Katze beobachtet und ich konnte es auf Photos festhalten:


Ein SWH ist hervorragend geeignet für das Zusammenleben mit einem oder mehreren Hunden. Natürlich muß auch hier der Besitzer gewisse Regeln einhalten und für klare Strukturen innerhalb des Rudels sorgen. Ich persönlich kann es mir kaum noch anders vorstellen und möchte es nicht missen, mindestens zwei Hunde zu haben. Yuma und Nisha sind ein super Team geworden. Yuma war eine tolle Tante für Nisha und heute sind die Zwei einfach wie Pech und Schwefel. Yuma hat die Erziehung von Nisha in jedem Fall sehr positiv beeinflusst und mir so manche Dinge erleichtert. Nisha akzeptiert noch heute Yuma als Chef, andersrum zeigt aber auch Yuma in bestimmten Situationen Respekt vor Nisha. Und so klappt es hervorragend und wir haben ein völlig stressfreies, spannungsfreies Rudelleben.
Das Zusammenleben mit Nisha ist eine wahre Freude, obwohl wir auch schwierige Zeiten hinter uns haben. Sie ist einfach ein Traumhund geworden und ich möchte sie nicht mehr missen. Ich liebe diesen Hund einfach und sie fasziniert mich jeden Tag immer wieder auf’s Neue!
12.12.2006